Psychische Erkrankungen
Alltägliche Redewendungen wie sich etwas zu Herzen
nehmen oder dass uns etwas auf den Magen schlägt
zeigen, wie eng Psyche und Körper miteinander verknüpft
sind. Herzrasen, Schweißausbrüche und Schwindel können
ebenso Ausdruck einer Angsterkrankung sein wie
anhaltende Niedergeschlagenheit, Lebensunlust und
Antriebsschwäche Ausdruck einer Depression sein können.
Während wir über körperliche Krankheiten offen sprechen, unterliegen psychische Störungen und Erkrankungen häufig leider immer noch einer gewissen Tabuisierung. Wer psychisch krank ist oder sich seelisch-geistig beeinträchtigt fühlt, fürchtet immer noch nicht selten, als "verrückt" angesehen zu werden. Häufig ist dies der Grund, warum viele psychische Störungen unerkannt bleiben und nicht adäquat oder nur verzögert behandelt werden. Oft vergehen viele Jahre, manchmal Jahrzehnte bevor bei psychischen Störungen – wie Depressionen, Angststörungen, Burnout-Syndromen, psychosomatischen Beschwerden, Persönlichkeits- und Zwangsstörungen sowie Psychosen (d.h. Störungen, die mit einem Verlust des Realitätsbezugs einhergehen) – eine erste Behandlung eingeleitet wird.
Die am häufigsten vorkommenden psychischen Erkrankungen sind:
• Depressionen
• Angsterkrankungen
• Somatoforme Störungen (psychisch bedingte oder
mitbedingte körperliche Beschwerden)
• Abhängigkeitserkrankungen
Die Entstehung psychischer Erkrankungen entwickelt sich in einem komplexen Wechselspiel zwischen innerer seelischer Struktur und äußeren Bedingungen.
Neben dem bewussten Erleben folgt jeder Mensch unbewusst inneren Regeln, deren Wurzeln sowohl in seiner individuellen biologisch-genetischen, als auch in seiner soziokulturellen und psychologischen Herkunft liegen (In welch eine Familie ist man hineingeboren, in welch einem sozialen Umfeld aufgewachsen? Prägen Traditionen die Familie, war man in jungen Jahren bereits auf sich allein gestellt, durfte man nie schwach sein oder zählte nur Leistung? Und welche Erfahrung hat man in der Bewältigung von Problemen?). Viele Faktoren familiärer Herkunft und individuell erlebter Vergangenheit prägen und beeinflussen unser Leben in der Gegenwart. Zumeist liegt die Basis für spätere psychische Störungen bereits in der Kindheit, in der Pubertät oder in der Phase des Erwachsen-Werdens, also in entscheidenden Zeitabschnitten der (körperlich, seelisch, geistigen) Entwicklung und Sozialisation. Oft sind auch frühkindliche oder gar vorgeburtliche Ereignisse Ursache späterer psychischer Probleme.
Doch nicht immer lassen sich seelische Probleme mit
vergangenen Strukturen und Ereignissen erklären. Auch
aktuelle Ereignisse, belastende Situationen und
Schicksalsschläge können krankheitsauslösende Wirkungen
haben. Gerade in unserer heutigen
(Leistungs-)Gesellschaft geraten zunehmend Menschen im
Erwachsenen-Alter aus der Balance. Die Arbeitswelt
stellt täglich hohe Ansprüche und verlangt mehr und mehr
Leistung. Ansprüche, die sich häufig im Privaten
fortsetzen: der Partner, die Kinder, Verwandte und
Freunde fordern Zeit und Aufmerksamkeit. Dem und ihnen
allen gerecht zu werden - bei ständig steigenden
Anforderungen und hohen Stressbelastungen - verlangt
viel von jedem Einzelnen. Nicht immer können wir diesen
hohen Ansprüchen gerecht werden. Kommen unerwartete oder
außergewöhnliche Ereignisse wie Veränderungen und/oder
Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, Trennungen, Scheidungen
oder der Verlust eines nahe stehenden Menschen hinzu,
kann es sein, dass einem das Leben über den Kopf wächst
und man nicht mehr weiter weiß. Treten zusätzlich zu den
Gefühlen der Überforderung und Erschöpfung Ängste,
Konzentrationsschwierigkeiten, niedergeschlagene
Stimmung und körperliche Beschwerden auf, ist die Basis
für eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung gelegt.
Spätestens jetzt wird professionelle Hilfe gebraucht,
die niemand scheuen sollte, in Anspruch zu nehmen. Mit
einem gebrochenen Bein ist es ja auch selbstverständlich
einen Arzt aufzusuchen.
